Kolumne Reise

Miras Neuseeland-Reise – Ankunft in Wellington

Die Sonne geht in Neuseeland auf

Am 08. Oktober 2007 trat Mira den Flug nach Neuseeland an. Heute, genau zehn Jahre später, erzählt sie von ihrer 7-monatigen Reise.

Letzten Monat habe ich dir von meinem ersten Monat in Neuseeland erzählt. Nun geht es mit Zwischenstops weiter nach Wellington, die windigste Stadt der Welt.

Sonnenuntergang in Neuseeland
Die Sonnenuntergänge in Neuseeland waren traumhaft

Wwoofing auf der Mini-Farm

Nach unserer Tour durch Hobbiton wurden meine Reisegefährtin und ich von unserer zweiten Wwoof-Familie abgeholt. Dieses Mal handelte es sich um eine kleine Familie mit zwei Töchtern, die außerhalb von Matamata auf einem Grundstück mit vier Schafen gewohnt haben. An eine Nacht erinnere ich mich besonders. Meine Freundin und ich kamen in einem Caravan im Garten unter und als ich einmal im Dunklen vom Haus zum Caravan lief, blieb ich wie angewurzelt stehen, fasziniert von dem Sternenhimmel über mir. Ich habe noch nie so viele Sterne auf einmal gesehen! Dieser Anblick gehört zu meinen Top 3, warum ich unbedingt nach Neuseeland zurück möchte.

Wasserfall
Es gibt viele Wasserfälle in Neuseeland zu bestaunen

Zurück im Caravan wurde es richtig unheimlich. Ein lautes Knurren und Schaufen riss uns aus dem Schlaf! Ein Tier schlich um den Caravan herum und ich machte drei Kreuze, dass ich nicht mehr draußen stand und die Sterne betrachtete. Aber wer jetzt auf einen neuseeländischen Chupacabra hofft, den muss ich enttäuschen. Am nächsten Morgen haben wir die ausgesaugten Opfer unseres mysteriösen Monsters gefunden: Grapefruits. Neuseelands Plagegeist, das Possum, liebt es nachts auf Obstjagd zu gehen und ist generell laut, aber harmlos – sofern man kein Vogel ist.

Wenn wir nicht babysitten waren, machten wir Ausflüge zu Wasserfällen im Bush oder Hot Water Pools – beides kann ich dir nur empfehlen, egal wo du in Neuseeland bist. Allerdings wirst du die Hot Water Pools am leichtesten in Rotorua finden, dem bekannten Kurort in Neuseeland.

Die blubbernde Stadt Rotorua

Mit einem Zwischenstop in der größeren Stadt Hamilton fuhren wir weiter nach Rotorua, das uns schon wegen des Gestank bekannt war. Durch die geothermischen und vulkanischen Aktivitäten unter dem Gebiet riecht es in der Stadt nach faulen Eiern. Aber damit tue ich Rotorua Unrecht, denn an den Geruch gewöhnt man sich schnell und die überragenden Naturschauspiele wie blubbernde Teiche, Geysire und die Hot Water Pools entschädigen mehr als genug dafür.

Zorb bei Rotorua
Nass, aber begeistert

Hier kamen wir im Hostel Cactus Jacks in der Innenstadt unter und konnten von dort aus bequem zu den Schwefeltümpeln laufen und zum großen See, der der Stadt ihren Namen gab. In Rotorua hast du auch Gelegenheit, die Maori-Kultur kennenzulernen. Ich habe das Te Papaiouru Marae besucht und mir das Wharenui mit seinen eindrucksvollen Schnitzereien angeschaut.

Und natürlich hält sich Neuseeland auch hier mit den verrückten Aktivitäten nicht zurück. Einmal in einem aufgeblasenen Ball einen Hügel herunter kullern? Warum nicht: ZORB New Zealand befindet sich außerhalb von Rotorua und bietet dir dieses Erlebnis. Du kannst mit und ohne Wasser in der Kugel auf verschiedenen Tracks rollen. Für die Wasser-Variante solltest du (Bade-)Klamotten mitbringen, die nass werden können.

Art decó und Kleinstadtleben

An Neuseelands Ostküste liegt Napier, bekannt durch die Innenstadt im Art-decó-Stil. 1931 wurde die Stadt von einem Erdbeben und Feuer zerstört und in dem Stil wieder aufgebaut, der zu der Zeit sehr beliebt war. Hier kann ich dir das Hostel Stables Lodge Backpackers empfehlen, dessen Motto „Best plan is no plan“ unseren Reiseplan ziemlich genau getroffen hat.

Zitronenbaum im eigenen Garten
Ein sehr beeindruckender Zitronenbaum in Otane

Mit unserer dritten Wwoofing-Farm haben meine Reisebegleitung und ich uns Richtung Süden vorgearbeitet. Südlich von Hastings liegt Otane, eine typisch neuseeländische Kleinstadt. Wenn man den Begriff „Stadt“ großzügig verwendet. Es reicht eigentlich noch nicht mal für ein Dorf. Auf Wikipedia wird folgendes aufgelistet: Schule, Krämerladen, Café und Pub. Dem möchte ich noch die Eisenbahnschienen hinzufügen, die quer durch den Ort führen, ohne Bahnhof natürlich. Ich wäre schon gespannt, wie Otane nach zehn Jahren aussieht.

Unser Gastvater kam aus England und hat sich dort mit seiner Frau, die zur der Zeit in Wellington gearbeitet hatte, und seiner kleinen Tochter ein neues Leben aufgebaut. Das Haus war noch eine halbe Baustelle und wir als Wwoofer haben mitgeholfen, den Garten in Schuss zu bringen und einen kleinen Teich anzulegen. Eigentlich ziemlich clever, sich diese Arbeitskraft zur Hilfe zu nehmen. Aber natürlich wurden wir gastfreundlich aufgenommen und haben neue Rezepte für die Reise kennengelernt, alles „organic“. Wir wurden auch einmal zu den Nachbarn mitgenommen, die Geburtstag gefeiert hatten. Dort habe ich das neuseeländische BBQ kennen gelernt. Bier und gebratene Würstchen aus Hammelfleisch, die als „Hot Dog“ in Toastscheiben und Ketchup serviert werden. Der neuseeländische Hot Dog ist übrigens eine panierte Wurst, die auf ein Stäbchen aufgespießt wird.

Der Alltag in Wellington

Und schließlich kam ich nach Wellington. Unser Wwoofing-Host hatte uns netterweise mit nach Wellington genommen und ich blieb dort zwei Monate. Die meiste Zeit kamen wir im Hostel Worldwide Backpackers unter, ein paar Wochen habe ich auch in einem Apartment gewohnt. Dazu kann ich noch das Hostel Rosemere Backpackers empfehlen, in dem ich ein paar Monate später auf meinem Weg zurück übernachtet hatten.

Maori-Kulturzentrum Rotorua
Das Maori-Kulturzentrum in Rotorua

Nun wurde es ernst, ich brauchte dringend einen Job und bekam den Tipp, dass viele Hotels in der Stadt Roomservice-Jobs anboten. Nach ein paar Anfragen bekam ich mit meiner Reisegefährtin zusammen einen Vorstellungstermin im Bolton Hotel. Und anschließend einen Job. Während viele Hotels es nicht gerne sehen, wenn man nicht mindestens drei Monate bleibt, hat das Bolton Hotel nach Leuten gesucht, die über die Feiertage arbeiten. Damals haben wir 12 Dollar die Stunde bekommen und konnten auch direkt loslegen.

Die Arbeit als Zimmermädchen war schwer, aber auch super interessant. Wir haben Uniformen bekommen – Hose oder Rock war uns überlassen – und hatten 25 Minuten Zeit, um ein kleines Zimmer herzurichten. Das 5-Sterne-Hotel hat auch größere Zimmer bis hin zu Suiten und ist zudem noch ein Apartment-Hotel. Das heißt, dass auch meist eine Kochzeile zum Zimmer gehört. Das Bolton Hotel kann ich auch als Unterkunft empfehlen! Wir wurden sehr gründlich kontrolliert, ob wirklich alles sauber gemacht und die Laken gewechselt wurden.

Blick auf Wellington
Der Hafen von Wellington

Die Café-Hauptstadt

Aber Wellington bestand nicht nur aus Arbeit. Die Stadt hat eine unglaubliche Café-Dichte, ein reges Nachtleben und viele touristische Angebote. In Wellington habe ich auch meinen ersten Chai Latte getrunken. Nach zehn Jahren keine Überraschung, aber das Café und den Club, die ich dir empfehlen wollte, haben leider dicht gemacht. Die Alice Cocktail Bar mit Café im Stil von Alice im Wunderland war damals ein Geheimtipp und im Club The Big Kumara (eine Süßkartoffelsorte) habe ich Silvester gefeiert. Mit dem Club gab es letztens noch ein Wiedersehen als skurilen Schauplatz im Film „5 Zimmer Küche Sarg“ von Taika Waititi. Nicht nur wegen des Humors ein guter Film, sondern auch schön, um ein bisschen von Wellington zu sehen.

Bei gutem Wetter kannst du einen Spaziergang an der Waterfront und am Strand machen, oder mit dem berühmten Cable Car zum Botanischen Garten fahren. Bei Regen empfehle ich dir einen Besuch im Museum Te Papa oder in der Stadtbücherei. Vom Mount Victoria Lookout verschaffst du dir den besten Überblick von Wellington. Und in der Cuba Street in der Innenstadt findest du viele gute Restaurants, Geschäfte und allgemein eine gute Stimmung.

Weihnachten im Sommer

Mittlerweile war es Dezember und während in Deutschland der erste Schnee fiel, wurde hier die Sonnencreme immer häufiger rausgeholt. Erst so richtig wurde mir Weihnachten im Sommer bewusst, als ich für meine Reisebegleitung einen Adventskalender mit den üblichen Schnee-Motiven gekauft habe und aus dem Supermarkt in den heißen Sonnenschein getreten bin.

Weihnachten im Hostel
Eine wunderbare Hostel-Gemeinschaft

Im Hostel waren wir zur Weihnachtszeit mit mindestens zehn weiteren Deutschen zusammen. Heiligabend haben wir also das Esszimmer gekapert und gemeinsam ein Weihnachtsdinner gezaubert. Statt Entenbraten oder Kartoffelsalat gab es allerdings überpackene Nachos und statt Geschenken haben wir einen Wein-Tetrapack nach dem anderen geöffnet.

Um zwölf Uhr Mitternacht schafften es die meisten von uns noch in die naheliegende Kirche zur Messe und das war der Punkt, an dem mich das Heimweh eingeholt hatte. Weihnachtszeit ist Familienzeit. In einer ruhigen Minute, in der ich alleine vor der Kirche Luft geschnappt hatte, wurde mir bewusst, wie sehr ich das vermisste.

Umso schöner war dann der Weihnachtsmorgen, an dem wir alle im Hostel unsere Wichtelgeschenke unter dem Tannenbaum hervorgeholt haben. Ein Päckchen von Zuhause war auch dabei zum Öffnen. Wir mussten zwar über Weihnachten arbeiten, aber zum Feierabend hin ging es weiter mit der Party und einem Hostel-BBQ.

Auch Silvester war großartig und ein besonderes Erlebnis, aber davon erzähle ich dir nächsten Monat, ebenso wie von meiner ersten Zeit auf der Südinsel.

0 Kommentare zu “Miras Neuseeland-Reise – Ankunft in Wellington

Kommentar verfassen