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Venus in Fur – Theatre Royal Haymarket

Venus in Fur

Venus in Fur – Die Venus im Pelz. Eine Femme Fatale, SM-Spiele und ganz viel nackte Haut. Das suggerieren der Titel des Stückes und die Promo-Bilder, auf denen Natalie Dormer sich entweder lasziv räkelt oder in den Armen von David Oakes liegt.

Der folgende Beitrag enthält
SPOILER zu Venus in Fur!

Wie war es nun wirklich? Mira und ich waren in der Londoner Aufführung von Venus in Fur. Wir beschreiben euch in zwei Beiträgen, wie das Theaterstück war und wie ihr am besten eine Theateraufführung in London organisiert!

Natalie Dormer als Zuschauermagnet?

Wenn sehr bekannte SchauspielerInnen Theater spielen, ist es vor allem eines, dass die Zuschauer anzieht: Der Name. So war das auch bei mir, als ich las, dass Natalie Dormer im Stück „Venus in Fur“ auftrat. Die Vorstellungen waren übrigens nicht so ausgebucht, wie ich dachte – nicht jeder bekannte Name „wirkt“. Aber vielleicht sind die Londoner einfach nur verwöhnt, denn bekannte Stars geben sich im Theaterviertel von London fast die Klinke in die Hand.

Mir war das relativ egal, denn seit ich Natalie Dormer in der historisch unkorrektem, aber wunderbar verruchten Serie „The Tudors“ als Anne Boleyn gesehen habe, fand ich sie super. Die Aussicht, sie in London live am Theatre Royal Haymarket sehen zu können war verlockend. Bei den günstigsten Tickets von 15 Pfund habe ich dann zugeschlagen.

Venus in Fur will viel – Zu viel?

Venus in Fur ist ein vielschichtiges Kammerspiel mit mehrere Ebenen. Die Gegenwart mit einer naiven Schauspielerin und einem leidenschaftlichen Autor, dann als Schauspiel im Schauspiel, dem ein Power Play, ein Tauziehen zwischen den Charakteren und das Vertauschen der Geschlechterrollen folgt. Und als Letztes, die Enthüllung der Venus als Muse, wie es im Untertitel angekündigt wurde.

Bühne von Venus in Fur
Bühne von Venus in Fur

Die wechselnden Perspektiven zwischen dominant und submissiv, Muse oder Künstler und der Rollentausch von Mann und Frau waren intelligent angelegt. Leider wirkten diese Wechsel nicht immer.

Hier vermisste ich tatsächlich die scharfen Schnitte, die im TV als dramaturgische Hilfe benutzt werden. Es war oftmals nicht flüssig genug; die Botschaft, dass man vom Benutzten zum Nutzer wird und die wechselnden Machtverhältnisse zwischen den Charakteren, war zwar da, aber für mich nicht markant genug ausgearbeitet.

Perfektes Timing und zauberhafte Stimmen

Was Venus in Fur für mich gerettet hat, war das Zusammenspiel von Natalie Dormer und David Oakes. Mit nur zwei Charakteren, die am Ende mehrere Charaktere auf der Bühne verkörperten, hatte das Stück einen sehr intimen Charakter. Stellenweise tauchte ich wirklich ein, wurde aber rüde vom Handyklingeln oder zu flachen Szenenwechseln rausgeholt.

Wie wichtig die Chemie und das Timing war, merkte ich besonders in den oberen Rängen des Theaters. Denn dort war, durch die Entfernung zur Bühne, oftmals nur die Stimme des Schauspielers das Werkzeug, um die Zuschauer mitzunehmen.

Venus in Fur - Theatre Royal Haymarket
DL vor dem Theatre Royal Haymarket

Während Dormer Dank ihrer humorvollen Akzente die meisten Lacher auf ihrer Seite hatte, war es David Oakes, der mich durch seine vielseitige Stimme am meisten beeindruckte. Lüstern, beleidigend, ängstlich, fordernd – und noch vieles mehr.

Was er nur mit der Stimme aus seinen Rollen herausholte, machte Venus in Fur lebendig. Ich könnte mir ein Hörbuch mit den beiden sehr, sehr gut vorstellen!

Der Schluss war allerdings recht vorhersehbar. Ich hatte zwar auf eine „irdische“ Enthüllung getippt, aber ein Blick auf’s Plakat zeigte einen großen Spoiler – im Untertitel. Ein vom Wahnsinn verfallener Schriftsteller wird von seinem (Lust)Objekt und Muse, der Venus, heimgesucht? Das reduzierte für mich die Rolle der Frau erneut auf die der Venus, auf’s Podest gestellt, Femme Fatale, Erotik pur – aber nicht von dieser Welt. Eine komplett der Realität entrückte Darstellung. Allerdings muss ich dem Stück zugestehen, dass es die vielen Facetten einer Venus zeigte (das ist Natalie Dormers Verdienst!).

Nach dem verbalen Kräftemessen zwischen den Charakteren von Natalie Dormer und David Oakes, wo einige empanzipatorische Ansätze zum Zug kamen, war das Ende unerwartet lau. Vielleicht bin ich zu zynisch, denn wirklich neu oder bahnbrechend war Venus in Fur nicht. Für eine nette und intelligente Abendunterhaltung reicht es allemal und ich habe den Abend sehr genossen.

Fazit: Solltet ihr einen Abend in London frei haben, schaut euch im Theaterviertel um – für kleines Geld werdet ihr bestens unterhalten und kommt Superstars auch ganz nahe!

1 Kommentar zu “Venus in Fur – Theatre Royal Haymarket

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