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How to Vero – was steckt hinter dem Hype um die App

Neue App Vero

So schnell wie Vero hat sich schon lange keine neue Social-Media-App verbreitet. Ich habe mir das einmal Phänomen einmal näher angeschaut.

Folge mir auf Vero-Bild
Mira ist jetzt auch auf Vero zu finden

Immer häufiger tauchen die gleichen kleinen Bilder auf den großen Social-Media-Plattformen auf: ein Avatar mit Name, die Einladung „Join Me on“ oder „Folge mir auf“ und darunter ein Logo: Vero. Dabei handelt es sich um die neueste Social-Media-App und dieses Mal ist der Hype besonders groß. Nachdem ein Künstler, dem ich folge, auf Instagram seine Einladung teilte, bin ich sofort neugierig geworden und habe mir die App heruntergeladen. Einen Zugang auf Vero über den Browser gibt es nicht.

Vero, mit dem Nachsatz „True Story“, ist eine weitere Social-Media-App, ähnlich wie Instagram oder Facebook. Social Media heißt, du vernetzt dich mit deinen FreundInnen und Followern und teilst deine Interessen. Laut Vero soll es mit dieser App noch einfacher gehen. Du kannst mit ihr vielfältige Inhalte teilen und dir dabei aussuchen mit wem.

Warum dieser Hype?

Allein, dass diese App sich wie ein Lauffeuer verbreitet, macht sie schon interessant. Und natürlich wollen alle dabei sein, sollte es sich hier bei um das nächste Facebook handeln. Aber ist das nur Zufall oder steckt mehr dahinter?

Veros Layout
Verifizierte Accounts gibt es ebenfalls

Ein großes Versprechen trifft den Nerv

Wer ein bisschen Socia-Media-affin ist, hat sicherlich schon mitbekommen, dass es ein großes Problem mit Facebook und co gibt. Abgesehen von Themen wie Datenspeicherung und Hasskommentaren natürlich. Die Rede ist von Algorithmen. Sie werden auf vielen Plattformen eingesetzt, um Beiträge zu filtern und Reichweiten zu kontrollieren. Damit kann ungeliebte Werbung zielsicherer auf die User zugeschnitten werden. Die Beiträge deiner Freunde werden nicht mehr chronologisch angezeigt und die Plattform versucht zu erraten, was du dir am liebsten anschauen möchtest.

Vero gibt das Versprechen, dass es auf der Plattform keine Werbung und damit keine Algorithmen geben wird. Alle Beiträge werden chronologisch angezeigt. Zum Beispiel für KünstlerInnen und alle, die ihre Produkte über Social Media verbreiten, ist das eine wichtige Grundlage. Eine hohe Reichweite bedeutet schlicht gesagt, dass du öfter gesehen wirst. Du bekommst mehr Follower und damit mehr Aufträge. Andersherum wollen Firmen und Marken ihre Produkte an die User bringen und überschwemmen dich mit Werbung. Mit Vero soll das ein Ende haben.

Teilen auf Vero
Manche Bilder sind nur für die engsten FreundInnen bestimmt

Du kontrollierst deine Reichweite

Für jeden neuen Beitrag kannst du auf Vero die Reichweite bestimmen, denn die anderen User kannst du in zwei Gruppen einteilen: Follower und Kontakte. Die Kontakte sind dann noch unterteilt in Enge Freunde, Freunde oder Bekannte. (Deine Freundin sieht übrigens nicht, ob du sie als Enge Freundin oder Bekannte speicherst.) Postest du nun etwas neues, kannst du die Reichweite über diese Verbindungen erhöhen, von Engen Freunden bis zu deinen Followern – oder den Beitrag auch nur an eine bestimmte Person schicken. Im Nachhinhein kann man die Einstellung nicht mehr ändern. Diese Reichweiten-Kontrolle gefällt mir wirklich gut und hinterlässt den Eindruck, dass ich mit dieser App meinen Freundes- und meinen Kundenkreis verbinden kann, ohne unprofessionell als Illustratorin zu wirken.

Das Image stimmt

Das Team von Vero hat laut eigener Aussage drei Jahre Arbeit in diese App investiert und das macht sich im Layoutdesign bemerkbar. Die App sieht modern aus und verzichtet auf alles Unnötige. Sie wurde bereits mit Inhalt gefüllt, hat ein paar bekannte Persönlichkeiten als Aushängeschild und bietet interessante Produkte an, wie die limitierte Edition PRINCE ‚Pre Fame‚. Und Vero hat einen cleveren Werbetrick angewandt: Die App soll eine kleine, jährliche Gebühr kosten, aber für die erste Million User bleibt sie kostenlos. Wer noch unentschlossen ist, denkt sich spätestens hier, dass eine Anmeldung ja nicht schaden kann.

Auswahl der Beiträge bei Vero
Simplicity is the key

Was mit Vero möglich ist

Die News füllen sich bereits mit Schlagwörtern wie „Konkurrenz zu Facebook und Instagram„. Und tatsächlich hat Vero einiges an Möglichkeiten zu bieten, mit denen du deine Interessen teilen kannst. Wie bei Instagram kannst du Bilder bearbeiten und mit einem kleinen Kommentar, Hashtags und Ortsangabe posten. Du kannst einen Link teilen, Musik, Film/TV, Buch oder einen Ort. Damit dürfte so ziemlich alles abgedeckt sein. Das Teilen der Medien geht sogar erstaunlich einfach, denn es sind bereits Datenbanken mit Songs, Filmen, Serien und Buchtiteln vorhanden, die von Foursquare gespeist werden. Das macht die Sache attraktiver; visuell gestaltete Beiträge, sprich Buchcover oder Filmplakat kommen oft einfach besser an. Für die Barrierefreiheit sollte es aber bitte noch die Option einer Bildbeschreibung geben, wie bei Twitter. Für Musik, Film/TV, Buch und Ort gibt es noch Wahlmöglichkeiten wie „Ich höre gerade“ oder „Möchte ich sehen“ und „Empfehle ich/nicht“. Die Musiktitel sind sogar abspielbar.

Klingt fast zu gut, nicht? Ich vermute, dass damit Informationen über die verschiedenen Medien gesammelt werden. Auf der Website steht, Vero sammelt Informationen für eine Verbesserung der App. Die Informationen werden „nur“ in folgenden Fällen weitergegeben: Wenn es gesetzlich vorgeschrieben wird, zu Account-Verwaltung und -Wartung an MitarbeiterInnen und third-parties oder bei Einkäufen zur Sicherheit und Durchführung. Wahrscheinlich zum Beispiel Paypal.

Datenspeicherung von Vero
Statement zu den Bildrechten

Und was ist mit der Finanzierung?

Daten sind lukrativ, aber damit will Vero sich nicht finanzieren. Wie erwähnt, soll die App eine „small“ Summe jährlich kosten und es gibt die Möglichkeit, über die App Produkte zu verkaufen. Diese Funktion gibt es wohl aber nur für ausgewählte Shops. Jedenfalls entsteht dabei eine Transaktionsgebühr, die an Vero geht. Ausgenommen wohltätige Aktionen oder Spenden. Auch das habe ich noch nicht bei Vero gefunden und bin gespannt, wie es zukünftig umgesetzt wird.

Der Social-Media-Anteil

Social Media bedeutet auch Interaktion zwischen den Usern. Bei Vero kannst du die Beiträge kommentieren und mit dem üblichen Herzchen versehen. Anders als bei Instagram oder Twitter werden diese geherzten Beiträge aber nicht gesondert abgespeichert. Einen schönen sozialen Aspekt konnte ich in den letzten Tagen beobachten: Eine Künstlerin mit vielen Followern hat die Profile von anderen KünstlerInnen geteilt und sie damit ihren Followern vorgestellt.

Ich hatte erst Bedenken, dass mich die erwartete Datenflut schnell nervt. Dann habe ich entdeckt, dass ich für jeden Kontakt individuell einstellen kann, welche Medien sie oder er mit mir teilen soll.

Profilübersicht Vero
Mit funktionierenden Links in der Bio

Der Aufbau von Vero

Das Design der App ist schlicht gehalten und über eine Menüleiste gelangst du zu allen Unterebenen. Einen neuen Post erstellst du über ein großes Plus, das am unteren Rand des Layouts schwebt.

Über das Logo kommst du zu deinem Feed, in dem die neuesten Beiträge chronologisch durchgescrollt werden können. Über die Lupe gelangst du zur Suche und kannst dort nach einer Person, einem Hashtag oder nach Medien suchen. Außerdem werden dir hier noch aktuelle Beiträge, Hashtags, Produkte und Personen angezeigt. Das ist übrigens der einzige Ort, an dem ich Produkte zum Kaufen finden konnte. Eine „Wahl des Herausgebers“ gibt es hier auch noch.

Das Avatar-Icon bringt dich zu deinem Profil. Hier kannst du dein Avatar festlegen und bis zu drei für die verschiedenen sozialen Kreise festlegen. Hier findest du auch deine Kontakte und Follower, ebenso wie deine Posts, die ausstehenden Anfragen und die Einstellungen. Über „Einladen“ erscheint die berüchtigte Vero-Einladung, die du gerade überall siehst und über das Fragezeichen links oben geht es zur Hilfe.

Collections-Ordner bei Vero
Die Übersicht allein von den Bilder von gestern

Das mittlere Icon zeigt deine Collections an. Und das ist eine Innovation, die Vero für mich erst recht interessant macht! ALLE Beiträge, die jemals durch deinen Feed gekommen sind, werden hier gesammelt, auch deine eigenen. Bei der heutigen Datenflut kann ich mir kaum vorstellen, was sich hier in Zukunft ansammeln wird. Zum Glück gibt es eine Suchfunktion und die Beiträge werden nach Uhrzeit oder alphabetisch angezeigt.

Über das Glockensymbol kommst du zu den Mitteilungen und daneben gibt es den Messenger. Der ist so bestechend einfach gehalten und Vero hat klar erkannt, dass die User mittlerweile diese Funktion erwarten. Ohne Wenn und Aber wie bei Facebook, das gerade neben Vero ziemlich alt aussieht. Gruppenunterhaltungen sind ebenfalls möglich.

Und die schlechte Nachricht?

Bis jetzt gefällt mir Vero sehr gut, aber wie jeder neue Hype muss sich erst zeigen, ob sich der Neuling gegen die Social-Media-Riesen durchsetzen kann. Die erste Phase ist neu und spannend, jedoch gibt es noch nicht all zu viel Input. Und die App ist recht verbuggt – nicht umsonst steht noch ein beta (=Testphase) dahinter. Für den Ansturm scheinen die Server aber gut gewappnet zu sein.

Beispiel eines Vero-Posts
Einen Beitrag erstellen leicht gemacht

Zur Anmeldung muss man eine Handynummer angeben, das ist normalerweise ein No-Go bei mir, soll aber laut Vero die Plattform vor Fake-Accounts und Bots schützen. Vero sichert außerdem zu, die Nummer nicht zu teilen oder anzuzeigen. Durch sie bekommst du Bescheid, ob jemand aus deinem Adressbuch neu bei Vero ist und sie macht es dir möglich, dein Profil einfacher zu teilen. Den Zugriff auf die Kontakte kann man wie bei jeder anderen App erlauben oder verbieten. Die Handynummer jedoch kann man nicht mehr ändern oder löschen.

Bei der Anmeldung bekommt man einen Code per sms, das System hat nach der Eingabe bei mir schon gehakt. Aber beim nächsten Neustart konnte ich mich einfach mit den angegebenen Userdaten anmelden. Für mein Profilbild brauchte ich gefühlt zehn Anläufe, weil die Bilder durch Ladeschwierigkeiten nicht angezeigt wurden. Die Einstellung an sich ist aber einfach. Erhöht sich der traffic, muss ich die App öfter starten, um zum Feed zu kommen. Vormittags habe ich keine Probleme damit. Manche Bilder werden nicht angezeigt oder erst gar nicht gepostet. Du brauchst also schon ein wenig Geduld, bis sich alles eingependelt hat.

Einen weiteren Minuspunkt konnte ich finden: Durch die Handynummer können die Usernamen frei gewählt werden und je mehr Leute sich anmelden, umso häufiger erscheinen sie in der Suche. Jemanden mit einem geläufigen Namen zu finden, erscheint mir hier unmöglich!

Fazit

Ehrlich gesagt, fände ich es nicht schlecht, wenn Vero sich durchsetzt. Ich teile gerne meine Interessen mit meinen FreundInnen und bin auch für chronologische Feeds und gegen Werbung. Die Bedienung der App ist zudem intuitiv. Mir gefällt auch gut, dass nicht alle Einstellungen und Likes von mir öffentlich gemacht werden. Zur Zeit erscheint Vero als Social-Media-App, die alle guten Eigenschaften von den „Großen“ vereint, aber um zu bestehen, muss sie mehr geben. Vielleicht reicht der chronologische Feed auch einfach aus, um die Leute an sich zu binden. Gerade ist mein Feed sehr ruhig geworden, in den nächsten Tagen braucht die App auf jeden Fall noch einen weiteren Anschub.

2 Kommentare zu “How to Vero – was steckt hinter dem Hype um die App

  1. Sehr schöner Artikel. Ich habe mich jetzt auch zum Test entscheiden.
    Eine Sache noch: du meinst sicher Algorithmen, nicht Logarithmen 😉

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